GESCHICHTE DER LÖSCHGRUPPE APPELDORN
100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Löschgruppe Appeldorn
100 Jahre im Einsatz: Von der Handspritze zum modernen LF 10
Appeldorn. Was im Jahr 1926 mit einer Handvoll engagierter Männer, die sich dem Brandschutz und der Hilfe für ihre Mitbürger verschrieben hatten und einer einfachen Handspritze begann, feiert heute sein 100-jähriges Jubiläum. Die Freiwillige Feuerwehr Löschgruppe Appeldorn blickt auf ein Jahrhundert voller Herausforderungen, technologischer Fortschritte und unermüdlicher Kameradschaft zurück.
Erster Brandmeister dieser neugegründeten freiwilligen Feuerwehr war Wilhelm Berendonck. Zunächst musste die Löschgruppe mit einfachsten Mitteln, wie einer Handspritze und etwas Schlauchmaterial auskommen. Die Ausrüstung war in den Anfangsjahren spärlich vorhanden, doch durch Einsatzbereitschaft und Kameradschaft eine funktionierende und motivierte Truppe aufzubauen.
Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Löschgruppe erstmals motorisiert. Als Einsatzfahrzeug diente ein ausrangiertes Taxi der Marke Ford, an dem ein Anhänger mit Schlauchhaspeln befestigt war. Trotz dieser Verbesserung blieb die Ausstattung insgesamt einfach. Während des Krieges wurde die Feuerwehr schwer in Mitleidenschaft gezogen, in den letzten Kriegstagen wurde die komplette Ausrüstung zerstört. Zudem waren im Krieg Zwölf Kameraden gefallen und vier weitere wurden vermisst. Durch den Verlust der gesamten Ausrüstung standdie Wehr im Jahr 1945 praktisch vor einem vollständigen Neuanfang.
Nach Kriegsende begann unter schwierigen Bedingungen der Wiederaufbau. In Verhandlungen mit den amerikanischen Besatzern konnte ein Jeep mit Anhänger aus US-Armee Beständen für den Feuerwehreinsatz beschafft werden, der über viele Jahre hinweg seinen Dienst tat. Dennoch zeigte sich bereits zum 25-jährigen Jubiläum im Jahr 1951, dass dieses Fahrzeug den Anforderungen nicht mehr gewachsen war. Es versagte bei der aufgeführten Schauübung seinen Dienst, sodass das Fahrzeug von den Wehrleuten zur Übung geschoben werden musste.
Erst im Jahr 1956 konnte schließlich ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug von Volkswagen angeschafft werden, das beim Brand bei einem Scheunenbrand seinen ersten größeren Einsatz hatte. Zu dieser Zeit zählte die Löschgruppe wieder 26 Mitglieder.
In den 1950er Jahren wurde zudem ein Tambourcorps innerhalb der Feuerwehr gegründet, das 1952 unter der Leitung von Paul Grootens erstmals öffentlich auftrat. Später prägte insbesondere Heinrich van Wickeren als Tambourmajor über viele Jahre das musikalische Erscheinungsbild, bevor das Tambourcorps in den 1990er Jahren zur Schützenbruderschaft wechselte.
Im Jahr 1962 übernahm Brandmeister Erich Berendonck die Leitung der Löschgruppe. Gemeinsam mit seinem späteren Stellvertreter Egon Matenaer führte er erstmals strukturierte Dienstpläne und regelmäßige Übungsabendeein, wodurch die Einsatzbereitschaft verbessert werden konnte. In den folgenden Jahren kam es zu mehreren größeren Einsätzen. 1964 und 1965 wurden Brände bei den Milchwerken Wöhrmann und Söhne in Kehrum bekämpft. Auch bei einem Kameradschaftsabend, der in der GaststätteBeckmann in Kehrum stattfand, musste die Feuerwehr zu einem größeren Einsatz ausrücken.
Ein Jahr nach dem 50-jährigen Jubiläum erhielt die Feuerwehr ein neues Löschfahrzeug vom Typ LF 8. Seit Mitte der 1980er Jahre nahm die Löschgruppe regelmäßig an Leistungsnachweisen im Kreis Kleve teil und konnte diese durchgehend erfolgreich absolvieren. Im Jahr 1989 wurde Egon Matenaer Löschgruppenführer und übernahm das Amt von Erich Berendonck. Unterstützt wurde er dabei durch seinen Stellvertreter Theo van Look. Im selben Jahr kam es zu einem Brand auf einem Bauernhof, bei dem sich frisch gelagertes Heu entzündet hatte und zehn Kälber ums Leben kamen.
1993 wurde die Leitung der Löschgruppe von Roland Matenaer übernommen, welcher ebenfalls durch Theo van Look vertreten wurde. Einer der ersten großen Einsätzeunter neuer Führung, war ein Brand bei den ehemaligen Wöhrmann-Werken, bei dem ein Feuer in einem Pulverturm einen erheblichen Sachschaden in Millionenhöhe verursachte. Neben den Brandeinsätzen gewann in dieser Zeit auch die technische Hilfeleistung zunehmend an Bedeutung. Insbesondere durch den stetig anwachsenden Individualverkehr kam es häufiger zu Verkehrsunfällen, bei denen die Feuerwehr Hilfe leisten musste.
Ab dem Jahre 2000 übernahm Heinz-Josef van Brakel die Verantwortung als stellvertretender Löschgruppenführer. Außerdem entstand mit dem Projekt „Kalkar 2000“ in Kehrum ein neues Gewerbegebiet, in dem sich zahlreiche Firmen ansiedelten. Dadurch erweiterten sich die Einsatzgebiete und Anforderungen an die Löschgruppe Appeldorn erheblich. Schnell wurde deutlich, dass das vorhandene Löschfahrzeug des Typs LF 8 den gestiegenen Anforderungen nicht mehr gerecht wurde. Durch das Engagement der Löschgruppe sowie die Unterstützung der örtlichen Politik, konnte zeitig ein neues Fahrzeug beschafft werden. Dieses „neue“ Fahrzeug kam in Form eines, auf einem Mercedes Fahrgestell aufgebauten LF16 daher, welches vormals bei der Berufsfeuerwehr Hamburg im Dienst stand.
Anfang des Jahres 2014 wurde vom Rat der Stadt Kalkar beschlossen, ein neues Gerätehaus für die Feuerwehr Appeldorn zu bauen. Im gleichen Jahr konnte die Löschgruppe Appeldorn zudem gleich zwei neue stellvertretende Einheitsführer ernennen. Franz Perau & Daniel Hegmann folgten auf Heinz-Josef van Brakel und übernahmen ab sofort zusammen mit Roland Matenaer die Einheitsführung. Daraufhin folgte im August 2016 der ersteSpatenstich des neuen Gerätehauses, und Anfang 2017 die Grundsteinlegung. Die neue Heimat der Löschgruppe Appeldorn konnte schließlich am 7. Juli 2018 feierlich eingeweiht werden. Im Zuge dieser Entwicklung zog auch die neugegründete Kinderfeuerwehr in die neuen Räumlichkeiten ein. Zeitgleich wurde ein eigens für die Kinderfeuerwehr angeschafftes Mannschaftstransportfahrzeug in den Dienst gestellt.
Bereits weniger als ein Jahr später konnte ein neues Löschgruppenfahrzeug vom Typ LF 10 in Dienst gestellt werden. Dabei handelte es sich um ein Fahrzeug auf einem Iveco Eurocargo-Fahrgestell mit Aufbau der Firma Magirus, ebenfalls wurde ein weiteres neues Mannschaftstransportfahrzeug für die Einheit beschafft.
Ende des Jahres 2019 übernahm ein neues Trio mit Torsten Spielmann an der Spitze die Löschgruppenführung. Ergänzt wurde die Einheitsführung dabei durch Daniel Hegmann & Roland Slaats-Thielen. Im Zuge der Corona-Pandemie und auch aus persönlichen sowie gesundheitlichen Gründen gaben Torsten Spielmann, sowie beide Stellvertreter, 2022 die Führung wieder ab. Es übernahm kommissarisch Roland Matenaer, der zwischenzeitlich zum Leiter der Feuerwehr ernannt wurde, bis eine neue Einheitsführung zustande kommt. Bereits zum Jahreswechsel 2025 übernahm Maurice Bücken kommissarisch das Amt des stellvertretenden Einheitsführers. So ergab sich in der Löschgruppe ein fließender Übergang, wodurch im Laufe des Jahres die Einheitsführung personell neu aufgestellt werden konnte.
Heute, im Jubiläumsjahr 2026, steht die Einheit unter neuerFührung mit Maurice Bücken als neuen Löschgruppenführer. Unterstützt wird er dabei durch Daniel Hegmann & Jan Bauhuis als Stellvertreter. Während früher fast ausschließlich das Löschen von Bränden im Vordergrund stand, bestimmen heute vor allem technische Hilfeleistungen & Brandmeldeanlagen den Alltag. Nichtsdestotrotz zeigte ein folgenschwerer Wohnungsbrand im Januar 2025, dass leider auch die Feuergefahr in der Stadt Kalkar weiterhin Einzug halten kann. Dieser Einsatz verdeutlichte einmal mehr, dass trotz modernster Technik die ständige Wachsamkeit und unmittelbare Einsatzbereitschaft der Kameraden unverzichtbar bleiben.
Eines ist jedoch über 100 Jahre hinweg gleichgeblieben: Die feste Überzeugung, dass Hilfe für den Mitbürger nur durch eine starke Gemeinschaft möglich ist. Deshalb stehen nunmehr die immer höher werden Anforderungen an den Feuerwehrdienst und die Fokussierung auf eine starke Kameradschaft in Zeiten einer immer individualisierterenGesellschaft im Mittelpunkt.
So entwickelt sich die Freiwillige Feuerwehr Appeldorn über Jahrzehnte hinweg von einer einfach ausgestatteten Einheit zu einer modernen und leistungsfähigen Feuerwehr,die den gewachsenen Anforderungen ihrer Zeit gerechtwird.

